Mit Kinder ins Restaurant! -Nee, oder?!

Ja klar kann man mit Kindern ins Restaurant zum essen gehen. Warum auch nicht? Macht doch Jeder. Alle gehen mal auswärts essen. Ist doch auch nicht wirklich etwas Besonderes, oder?

Allerdings mit unseren Kindern unmöglich.

Angekommen im Restaurant, schauen sich mein Mann und ich uns immer um. Ein Blick nach links, ein Blick nach rechts. Ah, da… da drüben sitzen auch welche. Eine Familie mit Kindern. Ah und auch zwei Kinder. Das is schonmal gut. Schauen wir mal, wie lange die ruhig sitzen können. Hm ahhja, die haben auch Malsachen und ein Spielzeug dabei. Passt, daran habe ich auch gedacht.

Ok, gut es gibt auch andere Kinder hier und so ruhig sitzen die nun auch wieder nicht da. Puh, Gott sei Dank.

Als wir in Österreich waren, habe ich beim Abendessen mal ganz genau geschaut und ehrlich, an wirklich keinem Tisch sind die Kinder ruhig dagesessen. Bis zu einem gewissen Punkt ging es. Aber dann Gebrüll, Geschrei, alle waren bewaffnet mit Spielsachen und Malsachen. Aber nichts hat mehr geholfen. Es ist einfach so. Die fangen an zu zappeln und dann fangen sie an herumzulaufen. Es muss für Kinder grauenvoll sein, ins Restaurant zu gehen, leise zu sein und still zu sitzen.

Ok los geht’s. Wer sitzt wo? Der Kleine soll in den Hochsitz. Der Midi neben mich, sonst läuft das aus´m Ruder. Ok läuft. Alle sitzen.

Dann kommen die Speisekarten. Wir suchen etwas zum Essen aus. „Pssst, etwas leiser, Schatz“. Die Kinder können sich nicht entscheiden. Bis hier noch gaaanz normal.

Dann sehe ich mir die Karte an und frage mich, was ich essen könnte. Manchmal stell ich mir vor, wie ich die Kroketten oder die Nudeln esse, um zu wissen, was ich eigentlich essen will. Ich träum so vor mich hin, da plärrt mein Kleiner aus dem Hochstuhl; sein Schnulli ist auf den Boden gefallen. „Mama, haben bitte“. „Pssst, leise reden, Schatz“, „Warum?“ – Ich klettere halb unter den Tisch, Schnulli gefunden. Mein Sohn schaut mich fragend an, „dreckig?“ ich so „nein, mein Schatz, alles ok“. Er nimmt ihn zufrieden zurück.

So, ich wieder zurück zur Essensauswahl. Während meinem Midi schon 10 Minuten langweilig ist, eiere ich immer noch in der Karte herum und kann mich bei dem ganzen Geplapper gar nicht entscheiden, was ich essen soll. In der Zwischenzeit will mir mein Göttergatte eine Geschichte erzählen, bei der ich irgendwie auch nur mit einem Ohr zuhören kann. Er bemerkt es, „du hörst gar nicht zu“. Mit Blick auf die Bedienung „äh, ja Schatz, lass mich schnell mein Essen aussuchen“.

Zurück zur Karte. Langsam wirds hier stressig. Hm, esse ich das Gericht Nr. 4 mit einer anderen Beilage oder gleich Nr. 18? Hmm, lecker, Pasta hatte ich auch schon…. „Mamaaaaaaaaa“ plärrt es neben mir und bereits so laut, dass mein Mann grantig von seinem Handy hochschaut. Ich ähhh, „pssssssst“, ja bitte? (hab’s gar nicht gehört). „Wann kommt denn mein Essen?“. „Schatz, wir haben noch nicht bestellt. Ich such noch schnell etwas aus, dann bestellen wir, ja?“. „Ach Mama, das dauert bei dir immer so lange…“. Ich ignoriere diesen Satz und versuche mich im Expresstempo zu entscheiden, bevor wieder einer plärrt, aus dem Augenwinkel sehr wohl bemerkend, dass der Asterix (Mini) jetzt auch ungeduldig wird, im Stuhl rumklettern will und anfängt selber seine Schuhe auszuziehen. Mit „Nein, Schatz“ is nicht mehr, denn mein Midi (Obelix) hat längt seine Schuhe ausgezogen. Und das noch bevor alle gesessen sind. Also wird mir mein Mini entgegnen „Obelix auch macht“. Ähh, ja… also ignoriere ich auch das. Dieses Schneckentempo des Schuhe ausziehens, gibt mir mindestens weitere 3 Minuten, um auszusuchen, was ich heute Abend essen möchte.

Während auch mein Mann längst weiß, was er essen will und gemütlich am Handy auf Bild.de stöbert, komme ich grad richtig in Stress und frage mich, ob ich überhaupt etwas essen soll.

So, bääm.. die Bedienung steht da und trällert freundlich „So, wissen Sie´s schon? Während sich gegen Satzende, ihre Stimme seltsam schräg hebt. Ich gebe ein Zeichen an meinen Mann und gleichzeitig ihr, dass er anfangen wird mit bestellen. Das sind nun meine 10 Sekunden, in denen ich mich entscheiden muss, ob ich etwas esse, was ich neulich schon hatte, oder etwas, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob es hier schmeckt, oder aber etwas, dass etwas teurer ist. Man kann jemanden eigentlich kaum mehr in Stress bringen.

So, nochmal bääm. Die 10 Sekunden sind um. Sie schaut mich an. Und trällert wieder fröhlich „Und Sie?“ Ich bestelle zunächst Essen für Kind 1 mit Extrawurscht, dann für Kind 2 mit Extrawurscht, die ich erst erfragen muss. So, nun komme ich zu meinem Essen, mit -wie solls auch anders sein- einer Extrawurscht. „Könnte ich bitte Pommes dazu haben, statt…?“.

Puh geschafft. Die ersten 15 Minuten im Restaurant überstanden. Mein Herzschlag pro Sekunde, geht gefühlte 2 Schläge schneller als sonst.

Wer hatte nochmal die Idee, ins Restaurant zu gehen? Ich frage meinen Mann nochmal nach der Geschichte von vorhin und er beginnt ein zweites Mal zu erzählen. Dann platzt der Obelix dazwischen, laut und deutlich, -wie immer halt- und frägt „Mama, wann kommt das essen?“ ich erwidere geduldig „Psst, nicht so laut. Gleich Schatz, wir haben gerade erst bestellt. Der Koch fängt jetzt an zu kochen und dann sind wir die Ersten, die es bekommen“.

In der Hoffnung, dass das Gespräch beendet ist, haste ich zu meinem Mann zurück und greife mit Blickkontakt wieder das Gespräch auf. Mein Mann fängt an zu erzählen und macht eine Sprechpause, die wirklich kaum wahrnehmbar ist, da plärrt es wieder von der anderen Seite und das plärren schlägt grad um in ein winseln. Winselt mich mein Sohn grad wirklich an? „Mama, wie lange dauert es, bis der Koch das essen gekocht hat?“ ich denke mir „Mist“, weil ich genau weiß, dass mein Sohn jetzt nicht will, dass ich mich mit meinem Mann unterhalte und wir auch jetzt keine Chance haben werden.

Ich versuche mich auf das Gespräch mit meinem Mann zu konzentrieren, aber der rollt schon die Augen und hört auf zu sprechen. Ich lächle meinen Sohn liebevoll an und sage: „Schatz, ich denke es wird vielleicht 10-15 Minuten dauern“. Mein Sohn brüllt ganz entsetzt „Waaas, so lange? Ich habe aber Hunger“. „Psssssst, leise! – Ja, Schatz, ich auch. Das Essen kommt auch gleich“.

Mein Mann schaut bereits wieder in sein Handy und liest Nachrichten. Na toll, diese Unterhaltung ist dann wohl auch beendet.

„Obelix, bitte etwas leiser, die Leute möchten hier in Ruhe essen“. „Mir ist aber langweilig“. „Ja ich weiß, mein Schatz“.

In der Zwischenzeit steht der Asterix in seinem Hochstuhl und brüllt „Maamiiii, schau mal„. Ich muss aufspringen, aus Angst, er fällt gleich runter. Ich möchte ihn wieder hinsetzen, aber -surprise-, er will nicht im Hochstuhl bleiben, sondern herumlaufen. Na toll. „Ehemann, wann kommt das Essen?“ und das erst 5 Minuten nach dem Bestellen. Mein Mann antwortet nicht und schaut zurück in sein Handy, nachdem er seinen Blick kurz an mich richtete. Der Obelix schaut meinen Mann sehr genau und penetrant fragend an und wartet mehr als gespannt auf die einzig wichtige Antwort an diesem Abend. Aber mein Mann antwortete ja nicht. Also rollt mein Midi die Augen und fängt an, laut zu jammern. Dann brüllt er „Papaaaa, die Mama hat dich etwas gefragt, du musst ihr jetzt antworten“. Mein Mann legt sein Handy weg und grinst meinen Midi an und sagt „Wenn es fertig ist!“, amüsiert über seinen eigenen Humor. „Ach Papaaaa, ich habe so Hunger. Jetzt. Nachher habe ich keinen Hunger mehr“.

Ich muss lachen, denn das sagt mein Sohn öfters so.

Zwischendurch haben wir ein paar Holzstifte bekommen und zwei Bilder zum Ausmalen. Für jeden eines. Mein Großer hats gleich abgeschmettert. Mein Kleiner dagegen findet das toll. Er sitzt auch zwischenzeitlich wieder angemessen ruhig im Hochstuhl. Er malt also und jetzt hat er entdeckt, dass man auf der weißen Tischdecke auch malen kann. Jetzt lacht auch mein Mann nicht mehr und schaut mich schon an, mit dem Blick. Diesem Blick, den wir uns zuwerfen, wenn ein bestimmter Punkt erreicht ist. Der Blick, der sagt „Nächstes Mal essen wir Zuhause!“ Hah… diesen Blick kenne ich nur zu gut. Und wir sind gerade mal erst seit 15 Minuten hier.

Ich übernehme das! Ich mache Asterix klar, dass man nicht auf der Tischdecke malen darf. Wie solls auch anders sein: „Warum?“.

Das Essen kommt. Ich fass es nicht. Das waren die längsten 17 Minuten meines Lebens. Während mein Mann, relativ entspannt das Essen entgegennimmt und lächelt, sitze ich da und schwitze. Ich schwitze und bin mega gestresst.

Es geht los. Malsachen weg. Spielsachen vom Tisch. Teller verteilen. „Kinder, setzt euch gerade hin und Obelix, zapple jetzt bitte nicht mehr so herum. „Ok, Mama“.

Nachdem alle ihr Essen vor sich haben, ich dieses erstmal noch klein schneiden muss, und jeder anfangen kann zu essen, sehe ich mein immer kälter werdendes Essen an und erfreue mich über meine Auswahl.

Der Obelix bekommt seine Nudeln immer mit separater Soße. Er möchte sich die Soße holen und kommt an sein Wasserglas. Zack, sein halb gefülltes Glas ergießt sich über den Tisch. „Tschuldigung, Mama“. „Ja, Schatz, nicht so schlimm“. Mein Mann rollt die Augen und isst weiter.

Piep, piep, piep… ach lassen wir das. Guten Appetit, Leute! Schalle ich lächelnd über den Tisch.

Eine Mama hat auf ihrem Blog geschrieben, dass ihr Mann das Chaos ausblendet und sie selber das Essen runterschlingt, um sich dann um die anstehenden Katastrophen zu kümmern. Ich werde mein Essen ganz bestimmt nicht in 3 Sekunden runtersschlingen. Da esse ich lieber einen kalten Schweinebraten mit kalten Pommes in RUHE, als dass ich mein Essen schlinge.

Es ist doch so, wir rennen den ganzen Tag von links nach rechts, denn mit Kindern geht sowieso nichts mehr in Ruhe, immer schnell schnell – die wollen immer alles gleich und sofort. Mama bitte zuhören, jetzt. Mama bitte kommen, jetzt. Mama bitte helfen, jetzt. Das schnell-die-Wäsche-in-die-Maschine-schmeißen, bevor sie merken, dass ich mich aus dem Wohnzimmer geschlichen habe, is nich mehr. Mist, zu langsam, sie haben´s gemerkt. Nee, also das „Essen“ ist mir heilig. Das ist der einzige Moment, bei dem ich mir Zeit lasse.

Ich bin bei der Hälfte von meinem Essen, verkündet der Große „Mama, nommal“. Sein Teller ist leer. Hatte wohl Hunger. Dann der fragende Blick zwischen mir und meinem Mann. Bestellen wir nochmal was oder gibt’s Reste die bereits auf dem Tisch stehen? Ich bin auch ein Befürworter davon, dass jeder essen dürfen soll (ja dürfen soll) was ihm schmeckt und dass er sich satt essen darf. Also: Bedienung, nommal, Bitte. Diesmal hats auch nicht so lange gedauert.

Jetzt, wo alle satt sind und fertig gegessen haben, kommt Ungeduld 2.0.

Obelix: „Mama, wann gehen wir heim?“, Asterix: „Mama, hause gehen!“ „Ja, liebe Kinderchen, wir zahlen schnell, dann gehen wir“ Die Bedienung kommt natürlich wieder nicht so schnell, da die eine Hälfte der anwesenden Gäste, Essen bestellen will und die andere Hälfte der Gäste auch bezahlen will. Surprise.

An Kaffee oder Nachspeise ist an dieser Stelle nicht mal zu denken. Wir ziehen es noch nicht mal in Betracht.

Und bevor einer fragen kann, warum das so lange dauert oder wo die Bedienung bleibt oder ob ich vielleicht mit ihnen (also den Kindern) schon heimfahren könnte und der Papa einfach nachkommt, lenke ich beide ab. Ich habe gegessen. Nahezu in Ruhe. Ich bin satt und im Zen-Modus. Habe daher wieder neuen Schub für viel Geduld, Liebe und Verständnis, für die derzeitige schreckliche Situation des Wartens. Ich hole die Malsachen wieder her und fange an zu malen und plapper einfach drauf los. Den Asterix hab ich gleich, beim Obelix muss ich etwas arbeiten.

Nach geschlagenen 45 Minuten, schaffen wir es wieder raus aus einem Restaurant. Beim Rausgehen, wirft mir mein Mann wieder diesen Blick zu. Diesen einen. Ihr kennt ihn. „Morgen essen wir wieder Zuhause!“ Und ich muss lachen, denn irgendwie kann ich am Ende dann immer noch eine Ironie in dem ganzen Chaos sehen und freue mich, dass wir uns an dem Punkt des Heimgehens befinden.

Wir probieren es immer mal wieder, denn, sind wir doch mal ehrlich, wenn wir den Kleinen nicht zeigen, was wir uns im Restaurant von unseren Kindern wünschen: Leise sein, ruhig sitzen, ruhig essen, können sie es auch nicht lernen. Aber ehrlich, zu oft tu ich mir das auch nicht an. Ich wähle auch immer ein Restaurant mit potentieller Spielecke, sonst wird’s echt anstrengend.

In diesem Sinne,

Eine schöne Woche.

Eure Mamawelt36


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Verfasst von

Ein Mamablog über das Mama-sein und das wundervolle Leben mit unseren Kindern: bunt und lebendig.

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